Naval Ravikant hält die Zahl ganz gelesener Bücher für eine Kennzahl der Eitelkeit. Was zählt dann beim Lesen?
Naval Ravikant ist ein indisch-US-amerikanischer Unternehmer, Investor und moderner Philosoph. Weltweit bekannt wurde er als Mitbegründer von AngelList, einer führenden Plattform für Start-ups und Investoren, und durch seine prägnanten Einsichten zu Vermögensaufbau, geistiger Freiheit und langfristigem Glück. In der Tech- und Investment-Szene des Silicon Valley gilt er als Kultfigur und Vordenker. Seine Gedanken hat Eric Jorgenson im „Almanach“ gesammelt.
Naval sieht Lesen als tägliche Gewohnheit. Nach eigener Aussage liest er ein bis zwei Stunden am Tag. Das Wichtigste sei, Lesen zu einer echten Gewohnheit zu machen. Er empfiehlt Grundlagen wie Mathematik, Naturwissenschaft und Philosophie sowie Originalwerke, Darwin vor Dawkins. Auch nur Teile zu lesen ist für ihn in Ordnung.
Die wichtigste Fähigkeit, um reich zu werden, sei laut ihm, „ein ewig Lernender zu werden“. Sein eigenes „spezifisches Wissen“ findet man über Neugier und Begabung, nicht über eine Ausbildung. Hilfreich ist ein Blick zurück: Was fiel mir als Kind fast mühelos? Was er sich merken will, packt er in mentale Modelle, kompakte Möglichkeiten, sich an das eigene Wissen zu erinnern.
Zugleich warnt er: Weisheiten in kleinen, knackigen Häppchen auf Twitter und Facebook sind schwer aufzunehmen, und Bücher zu lesen fällt modernen Menschen schwer, weil sie nicht mehr darauf trainiert sind.
Das sind Ravikants Überzeugungen, keine Studienergebnisse. Aber sie führen zu einer Frage, die jeder kennt, der viel liest: Was bleibt davon im Kopf, wenn das Buch zugeklappt ist?
Unsere Einordnung: Lesen bringt Wissen ins Regal, nicht automatisch in den Kopf. Navals Antwort heißt: wenige Bücher, die tragen, und kleine Modelle, die man abrufen kann. Genau hier setzt plinyoo an. Die Plattform verbindet zwei Dinge.
Erstens leicht lesen. Wissen steckt in kleinen Lernkarten, jede mit einem Gedanken und einer Quelle. Weil einzelne Häppchen schwer hängen bleiben, sind die Karten miteinander verbunden. Du entscheidest, wohin du als Nächstes gehst.
Zweitens gezielt abfragen. Du wählst Themen, die dich interessieren. Das Quiz fragt dich dazu ab, auf drei Niveaus vom Erinnern bis zum Analysieren. Die Wiederholung richtet sich nach deinen Antworten, so festigt sich, was dich wirklich interessiert.
Dein Lernpfad ist einzigartig, so wie nach Naval auch das spezifische Wissen persönlich ist. Hinter plinyoo steht ein Ziel: Wissen soll von einem Kopf in den nächsten kommen, und das soll so wenig Zeit, Aufmerksamkeit und Mühe kosten wie möglich.
Den Almanach gibt es gebunden, als E-Book und als Hörbuch.
Probier es an den Karten aus: Was ist spezifisches Wissen, und woran erkennst du deins?
Meinungsbeitrag von Heiko Miertzsch auf Grundlage von Eric Jorgensons Buch „Der Almanach von Naval Ravikant“.